Autorenseite von Myron Bünnagel

"Er war verloren in schwarzer, endloser Leere, die keinen Anfang und kein Ende zu kennen schien."

Endzeit

Fortbestand

Das riesige Raumschiff schwebte über dem Planeten. Es zog langsam, beinahe müde seine Bahn, während unter ihm das dichte Wolkenmeer über die braunen und grünen Landmassen dahinzog.

Er war der letzte der Planeten, das einzige Überbleibsel einer einst prächtigen Galaxis. Und er war wie seine Geschwister dem Untergang geweiht.

Was ihr Sterben verursacht hatte, wusste niemand. Den Wissenschaftlern war es unmöglich, mit all ihren Geräten und Theorien eine Erklärung zu finden. Geschweige denn eine Rettung.

Man kam überein, es göttlich Strafe zu nennen und beobachtete verängstigt und machtlos, wie die einzelnen Gestirne nach und nach zerbarsten und Millionen von Menschen den Tod fanden.

Anfangs setzte eine Massenflucht ein, und die verängstigten Bewohner sprangen dicht gedrängt in riesigen Raumschiffen von Planet zu Planet, getrieben von der vagen Hoffnung, dort von der Vernichtung verschont zu bleiben.

Nun war nur noch ein einziger Planet übrig. Die letzte Instanz des Lebens in der weiten, leeren Ewigkeit der Galaxis.

Ein letztes Mal wurden Raumschiffe bemannt und ins Nichts katapultiert, aber ihre metallenen Hüllen waren zu vergänglich, um diesen Samen des Lebens in eine andere, glücklichere Galaxis zu tragen.

Die Schiffe zerbarsten bei ihren Anstrengungen, verglühten oder trieben ziellos dahin, bis ihre Energie und schließlich das Leben in ihnen erstarb und sie zu gewaltigen Massensärgen wurden.

Die Hoffnungslosigkeit hatte die Bewohner des letzten Planeten und die Insassen der kleinen Zahl verbliebener Raumschiffe zum Schweigen verdammt. Über allem lag eine Stille, als sei der Tod bereits eingekehrt und hätte seine knochige Hand auf die Münder gelegt, um sie zu verschließen.

In der Stille dieser letzten Stunden war es, dass die Hohepriesterin Ovia ihren Jünger Tondrel in den Eingeweiden des metallenen Mutterschiffs aufsuchte.

Beide verband der Glaube an einen geheiligten Ort, ein Xanadu in einer fremden Galaxis.

Sie waren nur einer von vielen religiösen Kulten, die im Schatten der Vernichtung wuchsen und gediehen, und doch war etwas anders an ihnen. Sie beide teilten eine Vision von jenem geheiligten Ort, der fernab auf sie wartete. Sie war ungemein kraftvoll, ein Blick auf das Paradies.

Und immer wieder sahen sie in ihren Träumen, die ihnen mehr als nur Traum waren, das Zentrum der Macht, einen gewaltigen Pyramidenbau inmitten eines saftiggrünen Dschungels.

Sie begrüßten sich mit dem Zeichen des Dreiecks, das sie mit den Händen formten.

"Meisterin Ovia, es tut gut, euch zu sehen. Das Ende ist nah.", flüsterte Tondrel.

Sie stand in einer engen Kammer, in der indirektes Licht unwirkliche Helligkeit schuf.

"Tondrel, mein Jünger und Freund, auch ich spüre das Ende. Es ist ein Zittern in unseren Leibern, das es Willkommen heißt. Die Leute fühlen es ebenfalls."

"Lasst uns einen Gottesdienst abhalten, Meisterin. Eine letzte Huldigung an unsere unerfüllbare Hoffnung."

Sie schüttelte sachte den Kopf: "Unsere Hoffnung wird niemals unerfüllbar sein. Komm jetzt, uns bleibt keine Zeit mehr."

Wortlos folgte er ihr hinaus, durch die wirren Gänge im Inneren des trägen Leviathans. Überall sahen sie Menschen mit leeren Gesichtern, manche schrieen, die meisten weinten still. Die Kammern wirkten wie Särge, in denen sie bei lebendigem Leib eingeschlossen waren.

Sie passierten Sicherheitsbereiche, in denen Tondrel niemals zu vor gewesen war, bis sie ein großes Labor im Herzen des Raumschiffes betraten.

Monitore flackerten und chromglänzende Roboterarme verrichteten ihre Dienste.

"Was ist das hier?", fragte der Jünger, sich verunsichert und ängstlich umblickend.

Ovia lächelte sachte: "Unsere Hoffnung."

In der Mitte des Raumes standen zwei große, metallene Körper. Bauchige Anzüge aus fremdartig schimmerndem Material.

Neben den Roboteranzügen, nur eine kleine, kränkliche Gestalt, stand ein alter Mann.

"Das ist Professor Betron, mein Jünger."

Tondrel trat schüchtern näher und musterte den zitternden Greis.

"Ovia, ihr seid gerade pünktlich. Das Werk ist vollbracht. Die Anzüge sind fertig." krächzte der Alte.

"Wofür sind die?", fragte Tondrel neugierig.

Die beiden gewaltigen Anzüge maßen beinahe fünfzehn Meter an Höhe. Sie waren vage den menschlichen Körperform nachempfunden. Der recht jenem eines Mannes, der linke dem einer Frau.

"Sie sind die Boten des Paradieses, Tondrel. Mit ihnen wird der Glaube durch die Vernichtung gebracht, weit fort getragen in neue Welten, zu neuen Menschen."

"Das ist unmöglich! Niemand kann dem Untergang entgehen.", rief der Jünger und errötete heftig ob seines unbeherrschten Einwandes.

"Doch, mein Junge. Diese beiden Wunderwerke sind Schutzanzüge. Ihr Überlebenssystem reicht bis ans Ende der Zeit. Ihre Metallpanzerung ist unzerstörbar. Mit ihnen werdet ihr die Vernichtung überstehen. Ihr werdet die letzten Verkünder unseres Glaubens sein und in den neuen Welten die ersten." Die brüchige Stimme des alten Mannes hallte laut von den grauen Wänden wieder.

"Es ist Zeit jetzt. Ich habe dich auserwählt, Tondrel, einer der beiden Boten zu sein. Du wirst von Planet zu Planet reisen und unsere Vision übermitteln, eine neue Religion schaffen, auf dass dereinst neue Jünger zu einer Pilgerfahrt zum geheiligten Ort aufbrechen werden.", sagte Ovia.

"Entledigt euch eurer Kleider und beeilt euch."

Ein Zittern durchlief das mächtige Raumschiff. An einigen Monitoren flammten Lampen auf.

Tondrel stand bloß und frierend da. Im Schatten des metallenen Leibes kam er sich winzig und schwach vor. Furcht und Hoffnung fochten in seinem Inneren, während das Gefühl der Scham, so unbekleidet neben seiner ebenso unbedeckten Hohepriesterin zu stehen, ihm die Röte ins Gesicht trieb.

Der Professor bediente ein Kontrollpult und die mechanischen Arme erwachten erneut zu surrendem Leben.

"Schnell, schnell. Im Schiff ist eine Panik ausgebrochen.", rief die zittrige Stimme des Greises.

Tondrel wurde vorsichtig von einem Greifarm umschlungen und empor gehoben. Das kalte Metall brannte auf seiner Haut.

Zischend öffnete sich die Front des Anzuges.

Darin fand sich ein Gewimmel aus Drähten, Schläuchen und Monitoren.

In dieses Gewirr hinein wurde Tondrel gesetzt.

Panik überfiel ihn, als das elektronische Leben des Anzugs ihn umfing.

Er wurde in den Metallkörper gezogen, die Kabel und Schläuche glitten gleich Schlangen um seinen Leib.

In wilder Angst suchte er sich zu befreien, aber längst hatte das Geflecht ihn in sich eingebettet.

Mühsam wandte er den Blick und sah seine Meisterin in dem anderen Roboterleib verschwinden. Ihre Augen waren geschlossen und in ihrem Gesicht standen Hingabe und Ekstase geschrieben.

Ein Alarmton gellte, das Licht im Laboratorium färbte sich blutrot. Lärm war zu hören, Schreie und Schüsse.

Fieberhaft arbeitete der Professor an seiner Konsole. Unter seinen geübten Fingern glitten die mechanischen Arme über die beiden Roboteranzüge.

"Lebt wohl, ihr beide. Der allmächtige Segen sei mit euch." Der Professor richtete sich auf und brachte ihnen das Zeichen der Pyramide entgegen.

Mit lautem Zischen begann sich der Anzug langsam zu schließen.

Tondrel hörte, wie die Schleuse zum Laborraum gesprengt wurde.

Gestalten stürmten herein, brüllend und kreischend. Sie quollen in den Raum wie eine Flutwelle, trampelten sich nieder, stießen und schlugen um sich.

Im nächsten Moment hatte die Woge den alten Mann ergriffen, ihn empor gehoben und zu einem blutigen Klumpen geformt.

Tondrel sah mit Schrecken, wie die entarteten Gesichter des Mobs auf seinen Roboteranzug zu stürmten. Ihr Lärm war ohrenbetäubend. Das ganze Raumschiff schien nun zu zittern und zu beben, als wollte es jeden Augenblick zerspringen.

Dann war es schlagartig still um ihn, als sich der Anzug komplett geschlossen hatte. Kein Laut drang zu ihm durch und die schrecklichen Szenen unter ihm liefen wie ein tonloser Film vor dem winzigen Visier seines Anzugs ab.

Die Menge drang frustriert gegen den metallenen Koloss, hieb mit Fäusten und Äxten dagegen. Projektile und Energiestrahlen strichen über die mehr als einen Meter dicke Panzerung hinweg, ohne auch nur einen Kratzer zu hinterlassen.

Das Zittern des Schiffs wurde stärker und damit wuchs die Panik der Verlorenen. Tondrel sah Gesichter, die sich verzerrt gegen sein Visier drückten, Blut benetzte es.

Die Menge brachte den Anzug ins Wanken und Tondrel stürzte um. Aber sein fleischlicher Körper lag wohlbehütet in der Metallhülle. Er spürte kaum, wie der Koloss Leiber unter sich zermalmte.

Dann erstarrten die wimmernden Bewegungen über ihm und er blickte in verzerrte Gesichter, deren Münder sich zu einem letzten, tonlosen Schrei öffneten.

Helligkeit brach durch die Metallwände des Raumschiffs, zerschnitt es unter sengenden Flammen.

Tondrel sah, wie sich die Leiber um ihn im gleißenden Licht auflösten. Er selbst schrie vor Entsetzen, aber sein Körper gehorchte ihm nicht mehr. Die Fühler des Roboteranzugs hatten sich unbemerkt in seine Haut gebohrt und die Herrschaft über sein Fleisch übernommen.

Die Maschine bemächtigte sich seiner Nervenbahnen, tränkte sein Blut mit geheimnisvollen Chemikalien, tropfte winzige Mengen Nährsubstanz hinzu.

Im Gewirr der Schläuche und Drähte, der Sonden und Elektroden, eingebettet in die unzerstörbare Metallhaut, wurde Tondrel unsterblich.

Ein Beben durchlief den Schutzpanzer, als das letzte der Raumschiffe zerbarst und Hunderttausende mit ins Vergessen riss.

Wie ein welkes Blatt im Herbstwind wurde Tondrel fortgeschleudert. Er glitt durch das kurz aufflammende Inferno, durch den Tod der letzten Bewohner dieser Galaxis.

Um ihn herum war nach der blendenden Helligkeit, nach dem Blitzschlag der Vernichtung nichts mehr.

Er war verloren in schwarzer, endloser Leere, die keinen Anfang und kein Ende zu kennen schien.

Sein konservierter Leib trieb in seinem metallenen Sarg dahin, bewahrt in ewigem Schweigen.

Die Zeit verlor ihre Bedeutung.

Anfangs war sie ein Gefühl, das in seinen Gedanken nistete, aber bald erstarb es in der dunklen Endlosigkeit. Dann wurde sie zur Erinnerung, in der er mit Schwermut an das Leben dachte, an seine Freunde und an die Hohepriesterin. Wo mochte sie sein? War sie weit fort, am anderen Ende von Raum und Zeit? Oder zog sie in dieser entsetzlichen Stille nur unweit an ihm vorüber?

Als auch diese Erinnerungen verblassten, senkte sich die erste Woge des Wahnsinns auf ihn nieder. Sie war umso schlimmer, als dass er in seinem Leib gefangen war, unfähig, dem unerträglichen Kratzen in seinem Kopf Abhilfe zu schaffen.

Er war hilfloser Geist in einem fleischlichen Gefängnis, behütet von unermüdlichen Apparaturen, gebettet in undurchdringliches Metall.

Ein weiteres Mal griff der Wahnsinn nach ihm, strich wie eine Sense durch seine Seele und säte den Wunsch nach Tod. Doch wiederum war Tondrel in dieser Sehnsucht gefangen, bewahrt im trägen dahintreiben Schutzpanzer.

Dann, anfangs unbemerkt und unter dem Schleier des Wahns verborgen, erstarkte die Vision.

Ein rasendes Gefühl von Hoffnung keimte in ihm auf, als er durch die mystischen Bilder glitt. Die fremdartige, verheißungsvolle Pyramide legte sich über die Einsamkeit seines Daseins, und bald kannte er jeden Stein an dem uralten Bau, jedes Blatt des dichten Urwalds darum.

Nur der Einlass war ihm verwehrt, so sehr er sich auch bemühte. Die Tore blieben geschlossen, das letzte Geheimnis verborgen.

Tondrel erkannte, dass nicht er es sein sollte, der diese Erfüllung erlangen konnte. Er war, zu was ihn Ovia ausgewählt hatte, ein Bote. Ein Verkünder dieser Hoffnung.

Glücklich beseelt glitt das Tondrel-Maschinenwesen dahin, immer weiter, tief hinein in die lichtlose Schwärze.

Ewigkeiten verstrichen, ohne dass er es bemerkt hätte.

Dann, unmerklich, veränderte sich etwas. In die Ungestörtheit seiner Reise trat etwas Neues. Tondrel konnte es anfangs nicht einordnen, ihm fehlten die Erinnerungen. Es war etwas in der ihn umgebenden, so vertrauten Schwärze, über die er seine Vision spann, das seine Aufmerksamkeit erregte.

Seit langer Zeit benutzte er wieder seine Augen, die von der Maschine sorgfältig gesund gehalten worden waren.

Die Eindrücke waren befremdlich, störend.

Und dann erkannte er das Neue.

In der Finsternis waren Flecken aufgetaucht. Kleine, bunte Punkte, die heranwuchsen. Ein vage vertrautes Gefühl tauchte in ihm auf und Tondrel versuchte sich zu erinnern.

Planeten. Aber was bedeutete dieses seltsame Wort? Er erinnerte sich an etwas anderes - Leben. Hoffnung und Furcht keimten in ihm auf, aber die Bilder blieben verschwommen und vage. Nur die Vision war allmächtig in ihm und während er an den Planeten entlang schwebte, glitten seine Gedanken wieder zurück in seine mystischen Bilder.

Doch auch in der Maschine war etwas erwacht. Winzige Sensoren begannen zu leben, strichen über die fremden Planeten, sammelten Daten, verglichen, evaluierten und wählten aus. Navigationsdüsen begannen zu arbeiten und korrigierten sachte den Kurs.

Bald schwenkte der metallene Leib auf einen rot geäderten Planeten ein, trieb auf ihn zu, ließ sich von seiner Anziehungskraft erfassen und in die feuchte Atmosphäre ziehen.

Einem Feuerball gleich stürzte Tondrel vom Himmel hinab.

Ekstatisch schwelgte er in der bunten Umgebung, in der Helligkeit, die ihn umgab, und die sich mit seiner Vision zu einem heiligen Sog vermengte.

Der Koloss raste vom Himmel und grub sich tief in die rote Erde.

Dort verharrte er lange, während die Sensoren liefen und der metallene Leib Kraft aus der Wärme und dem Licht zog.

Schließlich wurde Tondrel gewahr, dass sich sein Metallkörper langsam aus dem Erdreich grub, um bald aufgerichtet im Sonnenlicht zu stehen.

Tage und Nächte zogen vorbei.

Der Mensch hinter dem winzigen Visier beobachtete gebannt den Lauf der zwei roten Sonnen, liebkoste mit seinem Blick das rote Gras der Ebenen und das dichte braune Gehölz der nahen Wälder. Hier und da sah er fremdartige Tiere, die zögerlich am Waldrand entlang strichen, ohne sich dem metallenen Besucher zu nähern.

Dann erschienen sie. Anfangs sah er sie nur als unscharfe Schatten am Waldrand, bis sie hervor traten.

Es waren fünf. Sie waren von humanoider Gestalt, mit rötlicher Haut und langen, dünnen Gliedmaßen. Ihre Augen waren groß und blau.

Ihr Status war primitiv, sie trugen Felle, Knüppel und Keulen.

Vorsichtig kamen sie näher, ihre schmallippigen Münder bewegten sich aufgeregt.

Eines der Wesen war weiblich und hielt sich etwas abseits. Sie war ebenso mager wie ihre Begleiter, aber mit breiterem Schädel, flachen Brüsten und einer roten Haut, die eine Nuance dunkler war, als die der Männer.

Ihr Anführer berührte ängstlich die starre Haut des seltsamen Besuchers.

Der Roboteranzug machte eine schnelle Bewegung und seine Arme ergriffen den Einwohner. Das Wesen kreischte und schlug mit seiner Keule gegen das Metallgehäuse. Seine Begleiter flohen in Panik.

Entsetzt und fasziniert sah Tondrel, wie die Maschine ihr zitterndes Opfer langsam empor hob. Fühler kamen aus dem metallenen Rumpf und tasteten über den Mann. Dann ging der Roboter daran, ihn bei lebendigem Leib zu sezieren.

Die Fühler sammelten aufmerksam Daten, während mehr und mehr Teile des Körpers offenbart wurden.

Bevor das Opfer starb, bohrten sich winzige Sonden in seine Schädeldecke.

Tondrel sah gebannt zu, unfähig, sich abzuwenden, nicht einmal fähig, die Augen zu verschließen.

Plötzlich schossen Sinneseindrücke in sein Denken, überfluteten seinen Geist.

Er konsumierte die Gedanken des toten Bewohners. Anfangs wehrte er sich gegen das ungewohnte Gefühl, als würde er die Hülle eines anderen überstreifen, aber bald sog er die Informationen in sich auf, gierte nach mehr, bis auch der letzte Aspekt inhaliert war.

In dieser Gedankeninjektion lernte Tondrel in einem Augenaufschlag die Lautsprache des fremden Volkes, ihre Kultur und Religion.

Schließlich verebbte der Strom und der Roboterarm ließ den leblosen Körper auf das rote Gras sinken.

Dann setzte sich die Maschine in Bewegung, stapfte über die weite Ebene, durchquerte den dichten Wald und betrat ein Dorf mit hölzernen Hütten und qualmenden Lagerfeuern.

Die Bewohner sammelten sich verängstigt, ihre übergroßen Augen von Furcht geweitet.

Und Tondrel begann zu sprechen. Seine Worte flossen in der fremden Sprache dahin, trugen die Angst aus den Herzen der Wesen.

Er predigte. Malte seine Vision des Paradieses, erzählte sehnsuchtsvoll von jenem fremdartigen Dschungel und der heiligen Pyramide.

Bald fielen die Einwohner auf die Knie und huldigten dem metallenen Gottesboten.

Die Tondrel-Maschine blieb lange Zeit, formt und festigte den neunen Glauben. Sie predigte und wachte beschützend über das Dorf.

Von Zeit zu Zeit wählte das Computergehirn eine der Bewohnerinnen aus, ergriff sie vorsichtig und befruchtete sie mit Tondrels Genen.

Er selbst war glücklich gefangen in seiner Metallhaut, erfüllt von seiner Vision, begierig darauf, den neuen Glauben zu predigen, ihm Kraft und Gestalt zu geben.

Er betrachtete fasziniert die computergesteuerte Evolution, den Zyklus des Lebens aus Geburt, Wachstum und Tod.

Er sah die Jünger Tempel bauen in Form der Pyramide, sah weise Männer und hörte ihren Gesprächen zu.

Und immer stand der schimmernde Roboteranzug unbeweglich da.

Dann, eines nachts, schreckten die Bewohner aus ihrem Schlaf auf. Sie sahen einen hellen Feuerball, der in den dunklen Himmel aufstieg und zwischen den Gestirnen verschwand.

Tondrel war fort.

Der Roboteranzug hatte ihn empor gehoben zu den Sternen, und dort glitt er dahin, heiliger Prophet eines fernen Paradieses, unsterblich, ewige Mensch-Maschine, ständig auf der Suche nach Planeten und formbaren Völkern, die dereinst ihre Reise zum geheiligten Ort antreten würden.