Autorenseite von Myron Bünnagel

Aus irgendeinem Grund konnte Marie den gar nicht leiden und hatte die totale Szene gemacht.

Jugend

Kapitel 22 Outtake

Anmerkung: Kapitel 22 fiel der Schere zum Opfer und wurde in ein vorheriges Kapitel eingefügt. Zum einen, um Platz sparen, zum andern, um der Geschichte nicht zu viel Fahrt zu nehmen.


Als das Telefon klingelte, schaltete Peggy ihren Fernseher aus. Statt zum wiederholten male Twin Peaks, hätte sie sich ohnehin lieber etwas Lustiges ansehen sollen. "Hallo, hier Peggy Heisler. Wer ist dran? Oh, Marie, endlich!" Sie setzte sich im Schneidersitz hin. "Ich warte schon seit gestern Abend. Warum hast du nicht gleich angerufen?" Die Freundin klang … seltsam. Irgendwie befangen. Passte gar nicht zu Marie. "Nick hat auch schon gemailt, ob sich was ergeben hat. Ist diese Nica nun unsere Veronica?" Peggy hörte aufmerksam zu. Marie erzählte, dass sie Claire getroffen hatte, dann besagte Nica.

"Fehlanzeige?! Bist du sicher?" Damit hatte sie nicht gerechnet. Es hatte bis eben zu sehr nach einem Treffer ausgesehen. "Ach …", sagte sie enttäuscht. Marie erklärte breit und lang, warum es nicht die Gesuchte war. "Ja, ja, ist gut. Das hast du schon gesagt. Wenn du sie gesehen hast … Keine Ähnlichkeit mit dem Bild? Dabei hast du selbst gesagt, dass … Das ist Pech, ja. Ich hielt es für recht wahrscheinlich. Und vom Gefühl her war ich sicher." Eine Pause entstand. Irgendetwas war, das spürte sie. Marie klang bedrückt. "Was ist denn los? Hast du dich mit deiner Claire gefetzt?" Das war ein Schlag ins Wespennest. Nein, sie hatten sich nicht gestritten! Aber wie Marie das sagte - sie war total gereizt. "War doch nur eine Frage. Wir mischen uns überhaupt nicht ein. Was? Nee, ist doch nicht unsere Schuld, dass die Freundin deiner Freundin auch so heißt." Peggy zupfte nervös an ihrem Sofakissen.

"Und du selbst hast gesagt, dass da eine Ähnlichkeit zum Foto besteht … Hast du wohl! Was ist denn los mit dir?" Wieder ein Redeschwall. Sie hatte kaum mehr Lust zuzuhören. Marie war völlig neben der Spur. "Also sie ist es nicht, oder? Deswegen hast du doch angerufen, nicht wahr? Ja, ich habe dich eben verstanden. Aber so, wie du klingst, kannst du mir auch erzählen, dass der Mond aus Käse ist. Echt wahr!" Spaß verstand Marie im Moment scheinbar auch nicht. "Reg dich doch nicht so auf. Vergessen? Nein, ich kann das nicht so einfach abhaken.

Kalter Asphalt

Immerhin haben wir Kim schon … In Ruhe lassen? Du willst, dass wir deine Nica in Ruhe lassen? Und deine Claire? Klar … ich sage dir was: Wir lassen euch alle in Ruhe! Dich auch, bis du dich nicht bei mir entschuldigt hast. Warum? Hast du mal deinen Tonfall bemerkt? Ich … Hallo?" Die Verbindung wurde unterbrochen. "Hallo?" Marie hatte einfach aufgelegt. Das war … unglaublich! Peggy knallte das Telefon auf den Tisch. Die war ja völlig von Sinnen! Und weswegen? Nur, weil sie die beste Freundin der Liebsten belästigt hatten? Belästigt! Das sagte Marie, die ansonsten ihre Neugier kaum im Zaum halten konnte.

"Mensch!" Wütend griff sie erneut nach dem Telefon. Sollte sie direkt noch mal anrufen? Nein … doch … "So was!" Wann hatte sich Marie das letzte Mal derart aufgeführt? Sie überlegte. Damals, als Peggy fast was mit einem zwei Klassen unter ihr angefangen hatte. Aus irgendeinem Grund konnte Marie den gar nicht leiden und hatte die totale Szene gemacht. Wie hieß der bloß? Keine Ahnung mehr. Wenn Marie auf stur schaltete, konnte Gott anrufen und er müsste warten. Na, zumindest irgendwie so. Aber trotzdem … an der Sache war was faul.

Sie konnte nicht glauben, dass es nicht Veronica war, die sich hinter dieser Nica verbarg. Eine Freundin namens Claire, Sprayerin und dann Maries Überraschung, als sie das Foto gesehen hatte. Warum jetzt also diese wilde Kehrwende?

Peggy seufzte. Wenn Marie sich beruhigt hatte, mussten sie das Thema noch mal anfassen. Schade, dass sie nicht selbst nachfühlen konnte. Sie wusste weder etwas über Claire, noch was über Nica. Aber Kim, der konnte sie was schreiben. Keine Erfolgsmeldung, aber ihre Vermutung. Und da konnte sich Marie aufführen, wie sie wollte, sie würde es nicht verhindern können.